Offener Brief an alle Bissendorfer (19.Juni 2011)

Offener Brief an alle Bissendorfer (19.Juni 2011)

 

Liebe Nachbarn,

 

der Streit um das Gewerbegebiet Natbergen, der jetzt seit zweieinhalb Jahren andauert, wird weiter erbittert geführt. Sämtliche Register der Politik werden gezogen und trotz anhaltend starker Proteste will die Mehrheit des Bissendorfer Gemeinderats das Vorhaben durchziehen und wischt dabei sämtliche Bürgereinwände hinweg. Verbissen halten diese Parteien an ihren vorgefassten Meinungen fest und versuchen, die aufgebrachten Bürger mit Wahlversprechen zu beruhigen.

Die fühlen sich umso mehr getäuscht, weil sie verärgert einen offenkundigen Widerspruch zwischen den offiziellen Planungsunterlagen und den öffentliche Reden der Politiker feststellen müssen:

Öffentlich wird von Flächenbedarf für örtliche Firmen gesprochen, in den offiziellen Planungsunterlagen wird aber die Anwerbung von auswärtigen Firmen in Konkurrenz zur Stadt Osnabrück und zu anderen Gemeinden angeführt. Es besteht eine große Diskrepanz zwischen örtlichen Politikern, die beschwichtigend davon reden, lediglich Flächen für den örtlichen Bedarf auszuweisen, und den offiziellen Stellungnahmen der Gemeinde. Dort wird ausdrücklich von Ansiedlungsoptionen für neue Unternehmen im Gemeindegebiet gesprochen und von der Entwicklung qualitativ hochwertiger Standorte, die im interkommunalen Vergleich konkurrenzfähig seien. Soll hier Terrain geebnet werden für Mr. X, den großen unbekannten Investor?

Wir fühlen uns auch hinters Licht geführt, wenn die Halbierung der Flächen in Natbergen als Kompromissvorschlag gefeiert wird. Denn erst dadurch konnte die Stadt Osnabrück dazu bewegt werden, ihre Klage gegen die Umwidmung des Natberger Feldes zurückzunehmen und so den Weg für ein Gewerbe-/ Industriegebiet in Natbergen frei zu machen. Außerdem ist dieser Kompromiss ein fauler, denn die geplanten Gewerbeflächen orientieren sich nicht an das bestehende Gewerbegebiet in Eistrup, sondern ergeben eine eigenständige Einheit. Die Restfläche zwischen diesen beiden Industrie-/ Gewerbeflächen hat für die Landwirtschaft langfristig keine Perspektive. Es ist also lediglich eine Frage der Zeit und eines leistungsfähigen Investors, wann die Forderung aufkommt, die Halbierung wieder aufzuheben.

Die Reservierung der Flächen für die Firmen Solarlux und B&L für die nächsten drei Jahre empfinden wir als Täuschungsmanöver, da die Firma B&L überhaupt keinen, die Firma Solarlux ihren Erweiterungsbedarf erst für die nächsten fünf bis zehn Jahre angemeldet hat, und die dazu geplante Resolution des Rates ausdrücklich die Reservierung aufhebt, wenn diese Firmen erklären, dass sie die Flächen nicht benötigen. Eine Rückwandlung für die Landwirtschaft wird dabei nicht festgelegt, sie würden dann anderen Firmen für gewerbliche/ industrielle Nutzungen zur Verfügung stehen.

Die viele Einwände der Bevölkerung wurden mit dem Hinweis zurückgewiesen, dass die Gewerbegebietspläne der Gemeinde bedeutender seien, als die Minderung der Lebensqualität der Anwohner. Wir Bürger müssten halt den Wertverlust unserer Häuser hinnehmen. Begründet wird dies sehr pathetisch mit dem Gemeinwohl, dem Einzelinteressen weichen müssten. Jedoch wird dieses Gemeinwohl lediglich wirtschaftlich begründet und sämtliche anderen Wohlfühlaspekte verdrängt. Ob diese einseitige Sichtweise wirklich ein „allgemeines Wohl“ für sich beanspruchen darf, bestreiten wir ausdrücklich.

Eine gewerbliche Bebauung des Natberger Feldes legt die Entwicklung Bissendorfs für die nächsten Jahrzehnte fest und verkennt vollständig die Chancen, die eine lebenswerte und naturnahe Wohngemeinde direkt vor den Toren von Osnabrück in Zukunft haben könnte. Mit der geplanten gewerblichen Nutzung wird eine Entwicklung begonnen, bei der Gewerbe und Industrie die Landwirtschaft verdrängen und weiter Gewerbe und Industrie anziehen. Diesen Prozess, von dessen Befürwortern gerne als unvermeidbares Naturereignis dargestellt, können wir jetzt noch stoppen, wenn wir Landwirtschaft und Lebensqualität den Vorrang geben. Die Entwicklung einer Gemeinde ist eben kein Automatismus (dann bräuchten wir ja gar keine Kommunalpolitik), sondern liegt in der Verantwortung der Politiker.

Übrigens: Es geht  in diesem Verfahren um 46,5 Hektar, knapp sieben Hektar mehr als zu Beginn des Verfahrens im Jahr 2009, wo es um die Ansiedlung der Spedition Koch ging!

Kommen Sie am 23. Juni 2011 um 18:00 Uhr zur Ratssitzung in der Aula der Bissendorfer Haupt- und Realschule.

Gehen Sie am 11. September zur Kommunalwahl.

 

Ihre/ Eure BI Schönes Natbergen

www.schoenesNatbergen.de