„Eine Stinkwut im Bauch“ (NOZ, 10.2.09)

Großplakat der BI, Foto Manni Pollert
Großplakat der BI, Foto Manni Pollert

 

„Eine Stinkwut im Bauch“ (NOZ, 10.2.09)

 

"Eine Stinkwut im Bauch", veröffentlicht am 10. Februar 09 in der NOZ.

 

hmd Bissendorf

„Vor uns ein Industriegebiet – nach uns die Sintflut.“ Ein riesiges Plakat an der Lüstringer Straße ist unübersehbares Zeichen für die Stimmung in dem Ortsteil und vielleicht in vielen Bereichen von Bissendorf. Die Bürgerinitiative „Schönes Natbergen“ protestiert gegen ein Industrie- und Gewerbegebiet und die Ansiedlung der Osnabrücker Spedition Koch.

Den Blick hat die Initiative auf den 16. Februar gerichtet. Dann wird es in der Aula des Bissendorfer Schulzentrums eine Informationsveranstaltung der Gemeinde geben, an der auch Speditionschef Heiner Koch teilnehmen wird. Eine sachliche Diskussion sagt Sprecher Günter Korte für die Initiative zu. In Gesprächen – und zwar keineswegs auf Natbergen beschränkt – habe er bei vielen Bürgern aber „eine Stinkwut im Bauch“ festgestellt.

Auch in den anderen Ortsteilen werde eine Einschränkung der Lebensqualität befürchtet, sollte es zu dem Industrie- und Gewerbegebiet östlich der Lüstringer Straße am Hang des Eistruper Berges kommen. Mittlerweile hat die Initiative zudem mehr als 1000 Unterschriften gesammelt, die sie am 26. Februar überreichen möchte. An dem Tag wird sich der Rat voraussichtlich über die Aufstellung des Bebauungsplanes für das rund 40 Hektar große Gebiet abstimmen. Die Initiative sorgt sich insbesondere um ein hohes Verkehrsaufkommen und die Lärmbelästigung. Bestätigt worden seien die Befürchtungen durch Bürger, die in Atter in der Nähe des heutigen Firmensitzes wohnten, sagt Korte.

Noch hält sich die Initiative über ihre weitere Argumentation bedeckt. Einige Kritikpunkte verdeutlicht sie aber bereits jetzt: Laut jüngsten Aussagen des Unternehmens seien die Stoßzeiten morgens von vier bis neun Uhr und abends von 16 bis 21 Uhr. Dabei soll im Ortsrat aber davon die Rede gewesen sein, dass der Betrieb morgens um sieben Uhr erst richtig begänne. Vertreter der Initiative waren zudem vor rund zwei Wochen nach Atter gefahren. Dort sei noch nach 23 Uhr rege Aktivitäten gewesen, so Korte. Der Sprecher verweist zudem auf einen Landwirt, der für seinen Betrieb Ackerflächen in dem zur Debatte stehenden Gebiet gepachtet habe.

Vonseiten der Vertreter von „Wir für Bissendorf“ und FDP sei seinerzeit zugesagt worden, dass sie die Ansiedlungspläne ablehnen würden, müsste der Hof schließen. In einem weiteren Gespräch seien diese Aussagen – mit dem Verweis auf andere Lösungen für den Hof – nun relativiert worden, bemängelt Korte. Auch Anzeichen für hohe Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätze sieht die Initiative nicht.

Rückblende: Seit vier Jahren sucht die Spedition Koch nach einem neuen Standort. Ansiedlungspläne in Lotte und Atter zerschlugen sich. Nun hoffen die Natberger das Gleiche für ihren Ortsteil. Sollte es dennoch zu einem Aufstellungsbeschluss durch den Rat kommen, wollen sie andere Wege suchen. Dazu gehört ein Bürgerbegehren. Dies sei eine Möglichkeit, „das Thema auf eine breitere demokratische Grundlage zu stellen“, sagt Claus Kanke.


viele Menschen stellen ein Großplakat auf
Plakataufhängaktion (mit Gehörschutz) der BI im Februar 2009

 

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