Offener Brief an den Gemeinderat zum Flächenverbrauch von Thomas Lehnen (9.1.2010)

Offener Brief an den Gemeinderat zum Flächenverbrauch von Thomas Lehnen (9.1.2010)

 

Offener Brief an den Gemeinderat zum Flächenverbrauch

 

Sehr geehrte Ratsmitglieder der Gemeinde Bissendorf,

ich nehme Bezug auf Ihre Klausurtagung Industriegebiet Natberger Feld vom 21.12.2009.

Gibt es in der nahen Zukunft genügend Flächen, um regenerative Energieformen und Nahrungsmittel für die Bevölkerung sicherzustellen?

Im Moment werden in Deutschland pro Tag ca. 100 ha Ackerflächen versiegelt, sei es für Wohnsiedlungen, Straßen oder Gewerbe-/Industriegebiete...

Auf der anderen Seite stehen ca. 35.000 ha brachliegende Industrie- und Gewerbeflächen in der Bundesrepublik, deren Böden eventuell verseucht sind, in der nahen Zukunft nicht zu Verfügung. Um regenerative Energiequellen sicherzustellen, benötigen wir ausreichende Flächen, um ansatzweise unabhängig von alten Energiequellen (Öl, Gas, Uran und Kohle) zu werden.

Die Grundnahrungsmittelversorgung der Bürger steht in Konkurrenz zu den versiegelten Flächen.

Es ist bedeutend, wenn die Weltbank feststellt, dass der Bedarf an Grundnahrungsmitteln weltweit in den letzten vier Jahren um 83 % gestiegen ist und in den Ländern wie Ägypten, Bangladesch und Haiti Aufstände der hungernden Bevölkerung entstanden.

Wir tragen zu dieser Situation kräftig bei, da wir Soja, Mais und Palmöl importieren, um diese Energieträger zu verarbeiten. Dieses sind natürlich Schreckensvisionen für uns, aber für einen Großteil der Menschen grausame Wirklichkeit.

Man könnte meinen, dieses sei weit hergeholt, aber in Europa gibt es schon ähnliche reale Bedingungen.

Der Klimawandel schreitet immer weiter voran und sorgt dafür, dass Wasserreserven, die in den Böden gespeichert werden, zur Neige gehen. Griechenland, Portugal und Spanien, um nur einige Länder zu nennen, kämpfen heutzutage in den Sommermonaten mit extremer Wasserknappheit.

Durch diese globalen Zustände, die ich hiermit anspreche, ist es nur eine Frage der Zeit, wann diese Schreckensversionen auch für uns real werden.

Aufgrund dieser Ergebnisse und Feststellungen sollte ein Kommunalpolitiker auch global und ökologisch die Zusammenhänge betrachten und beurteilen. Die Entscheidung ja oder nein zu sagen, ist eine Gewissensentscheidung. Die Verantwortung und deren Folgen trägt jedes Ratsmitglied für sich selbst.

Aus diesem Grund appelliere ich an die Kommunalpolitik, denn versiegelte Flächen kann man nicht essen.

 

Thomas Lehnen, Langenbrink 6a, 49143 Bissendorf