Offener Brief von Wilhelm Bruns, 1. Vors. HWV Bissendorf

 

Offener Brief von Herrn W. Bruns, 1. Vors. HWV Bissendorf

Offener Brief an die Ratsmitglieder

 

Liebe Bissendorfer,

liebe Heimatfreunde,

an den Gemeinderat,

 

die Gemeinde Bissendorf wird im nächsten Jahr 850 Jahre alt. Sie will diesen Anlaß feiern und festlich begehen.

Der Heimat- und Wanderverein Bissendorf e.V. ist an diesen Feierlichkeiten sehr stark eingebunden. Sei es, daß er an der Ortschronik mitarbeitet, oder dass er an Ausstellungen und Vorführungen mitgestalten will.

In den letzten 8 Jahren hat sich das Ortsbild Bissendorfs so stark verändert, wie in 850 Jahren zuvor nicht. Immer wieder hat der Heimatverein Bissendorf, insbesondere durch mich, dem Vorsitzenden dieses Vereins, davor gewarnt, die Identität dieses Ortes nicht  aufs Spiel zu setzen. Das scheint wieder einmal durch gigantische Planungen, die  in Natbergen stattfinden sollen und direkte Auswirkungen auch auf Bissendorf haben, der Fall zu sein.

Diese Planungen  werden in ganz besonderem Maße durch den Einsatz von Bürgermeister Halfter vorangetrieben, den ich in der Vergangenheit immer wieder mit dem Gedanken des Heimatschutzes konfrontiert - und um Rücksichtnahme gebeten habe. Jedoch meistens ohne durchschlagenden Erfolg. Im Gegenteil, ihm scheinen die Anliegen Gewerbetreibender und Unternehmer näher am Herzen zu liegen. Der Gedanke des Umweltschutzes ist trotz bereits sichtbarer Einwirkungen durch z.B. Wetterkapriolen (Kyrill) bei uns in der Gemeinde kaum noch wahrnehmbar und sehr vernachlässigt worden. Jetzt stehen wir erneut vor einer beispiellosen Polarisierung und Zerreißprobe in der Bevölkerung, ähnlich, wie es beim Wellnesscenter oder dem Philippschen Hochregallager schon einmal der Fall war. Bisher sind 1300 Unterschriften gegen die Planungsabsicht in Natbergen gesammelt worden. Weitere große Planungen schlummern in der Schublade, die das Ortsbild Bissendorfs nachhaltig verändern und umgestalten werden.

Im Jahre 2006 wurde mir durch den Herrn Bundespräsidenten Horst Köhler aufgrund 50-jähriger Tätigkeit und Verdienste um Naturschutz, Landschaftspflege und Heimatschutz das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Zeigt es mir doch, dass meine ehrenamtliche Arbeit, die nicht nur in Bissendorf stattfindet, durchaus geschätzt wird. Mir gelang es u. a.  den Umweltpreis des Landkreises Osnabrück für die Gemeinde und einen Umweltpreis in Höhe von 2.000,- € für den Heimatverein sowie einen persönlichen Umweltpreis des LK OS zu  gewinnen. Ein paar Jahre war ich Umweltbeauftragter der Gemeinde. Dieses Amt legte ich im offenen Streit im Zusammenhang mit dem Wellnesscenter nieder, - das späterhin, ähnlich wie auch das Hochregallager Philipps an der ablehnenden Haltung vieler Bissendorfer Bürger scheiterte. Heute stehen wir vor einem ähnlichen Dilemma, nur dass es ein wenig weiter weg in Natbergen stattfindet. Anscheinend konnte man die damaligen Niederlagen nicht verwinden, denn heute wie damals will man am Sonnensee ein Hotel und in Natbergen ein gigantisches  Baumonument errichten, nur mit dem Unterschied, dass das angedachte Hotel „Sporthotel“ heißt und nicht Wellnesscenter und das Hochregallager nicht mehr hoch, sondern dafür aber doppelt so lang werden soll. Beides paßt absolut nicht in die naturräumliche Kulisse unseres ländlich geprägten Raumes.

Als Vorsitzender des Heimat- und Wandervereins Bissendorf können mich diese Planungen und Vorhaben nicht gleichgültig lassen. Sieht doch unsere Satzung vor, daß Heimatpflege- und Heimatschutz sowie Natur- und Landschaftsschutz tragende Säulen unseres Vereins sind. Ich habe sehr mit mir gerungen: Ich werde der Mitgliederversammlung des Vereins am 20.03.09 empfehlen, auf die weitere Mitarbeit zur 850 Jahrfeier und die Teilnahme daran 2010 zu verzichten. Sollte sich die Versammlung für die Teilnahme an der 850 Jahrfeier entscheiden, lege ich das Amt des 1.Vorsitzenden mit sofortiger Wirkung nieder.

 


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